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Wieder zu Hause

Nun sind wir doch tatsächlich schon wieder 4 Monate zurück in Deutschland und es ist an der Zeit für ein Status Update. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass es hat eine Weile gedauert hat. Sorry. Ich will mich auch nicht herausreden, von wegen keine Zeit und so. (Wobei das auch ein klitzekleines bisschen zutrifft). Nein, das „Problem“ war ein anderes. Genaugenommen war ich das Problem. Für mich waren die letzten Monate ein Wechselbad der Gefühle. Was mir in den Wochen nach unserer Ankunft durch den Kopf ging, ist nicht ganz einfach zu beschreiben. Mehr als einmal wäre ich gerne wieder ins Flugzeug gestiegen, letztendlich egal wohin, Hauptsache weg. Und die mehrmaligen Versuche, dies alles in einigermaßen verständliche Worte zu fassen, schlugen völlig fehl.

daheimIch hatte den Eindruck, vielleicht täuscht mich dieser aber auch, dass Bruno die ganze Heimkehr und nennen wir es mal "Wiedereingliederung" leichter fiel als mir. Familie, Freunde, Arbeit. Alles (fast) wie vorher. Und für mich war nix wie es vorher war. Zum zweiten Mal innerhalb von 4 Jahren. Neue Wohnung, neuer Job, neue Kollegen, neuer Chef, neue Umgebung, altes und doch neues Deutschland. Und dies machte mir Angst. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und ich war noch nicht richtig bereit, alte und liebgewonnene, manchmal auch bequeme Gewohnheiten aufzugeben und wieder neu zu beginnen.

Aber fangen wir mal von vorne an. Rückblickend war die Zeit in den USA zwar manchmal anstrengend und nervenaufreibend, andererseits aber eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Wir haben vieles erlebt, vieles gelernt und vieles gesehen. 

Jedoch habe ich die Tatsache, dass wir uns fern von der Heimat, gemeinsam (und die Betonung liegt auf gemeinsam) etwas aufbauen, schwer unterschätzt. Wir haben zusammen irgendwo bei 0 angefangen. Wohnung suchen, Auto kaufen, Existenz aufbauen, Freunde finden, Leben und Arbeiten.
Der Abschied hier vor 4 Jahren war einfach. Ok und Tschüss. Wir kommen ja in ein paar Jährchen wieder. Auf in neue Abenteuer! Drüben war das anders. Endgültig. Unser Leben und unsere Freunde aufzugeben fiel mir unheimlich schwer, und ganz verdaut habe ich es immer noch nicht. Das könnte man wohl auch heftiges Heimweh nennen.

Dementsprechend war ich, als wir vor 4 Monaten in München gelandet sind, immer noch im "Besuchermodus". Ich konnte und wollte es nicht richtig realisieren. Sollten die letzten 4 Jahre in den USA wirklich schon vorüber sein? Wir waren doch gerade erst dorthin umgezogen. Und nun wieder zurück in Deutschland? Wir fliegen nicht mehr zurück nach Chicago? Und unser Hab und Gut ist auch schon auf dem Weg zu uns? Alles geht wieder von vorne los? Echt jetzt? Scheisse Mann...

Von den ersten paar Tagen weiß ich auch nicht mehr wirklich viel. Ich erinnere mich eigentlich nur noch daran, dass es ein hektisches Gerenne von A nach B war. Hallo hier, hallo da und noch mehr hallo. Dazu noch das widerlich kalte Wetter. Wo war denn dieser vielgelobte beste Frühling ever?! Ich fühlte mich total überfordert, einerseits die Freude und Aufregung wieder zu Hause zu sein, andererseits die Unsicherheit vor der Umstellung und dem Neuen in meinem Leben. Eigentlich wollte ich mich nur noch verkriechen. Doch da dies weder Bruno, noch unsere alles andere als super gemütliche (Übergangs-)Wohnung zuließen, und ich ja auch alles andere als der Depri Typ bin, habe ich mich der Herausforderung gestellt und bin am Montag darauf in meiner neuen Firma vorstellig geworden. Hilft ja nix, richtig?! Ab diesem Zeitpunkt (und es waren gerade erstmal 5 Tage seit unserer Ankunft vergangen!) trat dann ein gewisser Arbeitsalltag wieder ein. Termine gab und gibt es weiterhin immer noch im Überfluss. Ja, was ist denn da los?! „Freizeitstress“ sag ich da nur…

Nach zwei Monaten, die zwar einerseits wie im Flug vergingen, mir aber andererseits auch endlos vorkamen, war es endlich soweit. Wir konnten in unsere neue Wohnung einziehen. Der LKW mit unseren zahllosen Kartons wurde ausgeladen, die ersten Möbelstücke aufgebaut, und wir mit einem riesigen Chaos hinterlassen. Ich kann mich nicht erinnern, wie oft ich in den ersten Tagen zum Wertstoffhof (über eben diesen werde ich by the way gesondert noch einmal richtig ablästern…) gefahren bin, um Packmaterial loszuwerden, das die lieben Amis im Überfluss verwendet haben. Nur eines von zahllosen Beispielen: ein Karton der mit hochempfindlichen Klamotten gefüllt wird, bekommt zusätzlich noch eine extra Dicke Papierpolsterung oben und unten. Jupp, das macht Sinn.
Und wieder zwei Monate später, wird unsere Wohnung so ganz langsam auch wohnlich und vorzeigbar. Das Gröbste ist verräumt, nur in den Keller darf man nicht hineinschauen, vorausgesetzt man bekommt die Tür überhaupt auf. Jetzt brauchen wir nur noch ein paar Bilder an den Wänden und in zwei Jahren oder so vielleicht auch Vorhänge. Vorhänge werden sowieso total überbewertet. In Schomburg sind wir ohne eingezogen und mit ohne wieder ausgezogen. Hat wunderbar funktioniert. In der Amiwohnung waren sie schon da, sonst wäre es vermutlich das gleiche Szenario geworden.

Ja, so langsam aber sicher fange auch ich an, mich wieder wie zu Hause zu fühlen. Es hat ein bisschen gedauert und ich muss noch lernen, manchen Dingen nicht zu sehr hinterher zu trauern, aber das wird auch noch. Ganz ehrlich, leben und arbeiten in Bayern ist noch ein bisschen komisch, aber hey, so hatte ich dieses Jahr schon einen zusätzlichen Feiertag, auch nicht schlecht!

Natürlich geht die Zeit im Ausland nicht spurlos an einem vorüber. Sie verändert einen. So auch mich. Ob im positiven oder negativen Sinne weiß ich nicht. Sicherlich ein bisschen was von beidem. Wahrscheinlich bin ich amerikanischer geworden, vielleicht weltoffener, bestimmt auch kritischer.
Viele Vorurteile, die ich über die Amerikaner hatte, haben sich bestätigt. Mindestens genauso viele haben sich in Luft aufgelöst. Vieles verstehe ich jetzt besser, da ich in deren Kultur nicht nur gelebt, sondern auch gearbeitet habe. Und manche Dinge werde ich wahrscheinlich nie verstehen.
Es hat mir aber auch die Augen geöffnet, was mein eigenes Heimatland betrifft. Man fängt an, vieles mit anderen Augen zu sehen. Dinge, die vorher ganz normal waren, werden auf einmal kritisch hinterfragt, vor allem nachdem man erlebt hat, dass es auch anders und einfacher geht. Und natürlich wird gewisses Gejammer über scheinbare Nebensächlichkeiten auf einmal total unwichtig und sogar unverständlich.

Genauso wie ich mit meiner deutschen Einstellung in den USA das eine oder andere Mal angeeckt bin, merke ich nun, wie eine gewisse Amerikanisierung bei mir zugeschlagen hat und mir den einen oder anderen "bist du noch ganz sauber?" Blick einbringt! Tja, that’s life!

Das nächste Mal dann mehr über warum ich gerne wieder hier bin und was mir gehörig auf den Senkel geht!

f t g m